Ok, du stehst am Imbiss, bestellst wie immer, und dann sagt der Mann hinter dem Tresen einen Preis, bei dem du kurz denkst, du hättest dich verhört. Zehn Euro. Für einen Döner. Und die übliche Reaktion darauf ist ein Schulterzucken: alles wird eben teurer, ist halt so. Genau an dieser Stelle lohnt es sich, kurz stehen zu bleiben.
Denn hier steckt ein Denkfehler drin, den fast jeder mit sich rumträgt. Wir denken, die Dinge werden teurer, als hätte der Döner selbst irgendwie an Wert zugelegt. Hat er aber nicht. Es ist dasselbe Fladenbrot, dasselbe Fleisch, dieselbe Soße wie vor Jahren. Was sich verändert hat, ist nicht der Döner, sondern dein Geld. Dieselben zehn Euro kaufen dir heute deutlich weniger als früher. Nicht die Ware ist gestiegen, das Geld ist gefallen. Und das ist ein gewaltiger Unterschied, weil er die Schuldfrage komplett umdreht.
Genau das ist Inflation, und der Döner ist nur der sichtbare Bote. Denn dieser schleichende Wertverlust trifft eben nicht nur dein Mittagessen. Er trifft auch das Geld, das brav auf deinem Sparkonto liegt. Während dort vielleicht ein halbes Prozent Zinsen tröpfeln, verliert das Geld gleichzeitig durch die Inflation an Kaufkraft. Unterm Strich wird dein Erspartes real weniger wert, jeden Tag ein winziges Stück, ganz ohne dass du irgendwas falsch gemacht hättest. Du siehst es nur nicht so deutlich wie beim Döner, weil auf dem Kontoauszug ja immer noch dieselbe Zahl steht.„Ist halt so“ ist die bequemste Art, nicht weiterzudenken. Aber die spannende Frage beginnt genau da, wo das Schulterzucken aufhört. Wenn dein Geld ständig heimlich an Wert verliert, wem nützt das eigentlich? Wer profitiert davon, dass die Kaufkraft der normalen Leute leise abschmilzt, während alle nur über den teuren Döner meckern und nicht über die Ursache dahinter? Das Fladenbrot ist nicht das Problem. Es ist nur das Fieberthermometer, das dir zeigt, dass mit dem Geld selbst etwas nicht stimmt.