// Teil 2 von 5

Niemand verteilt Bitcoin

Warum die Frage „hätte man es nicht gerecht an alle verteilen müssen?“ den größten Denkfehler von allen enthält.

Pete hebt den Zeigefinger; rechts greift eine Hand von oben herab und legt eine Münze auf eine Pyramide aus Anzugträgern, die dick durchgestrichen ist — darunter drängt sich eine Menge Menschen, die nach frei herabschwebenden Bitcoin-Münzen greifen
// Auch als Comic Dieses Thema gibt's auch als Comic: „Niemand verteilt Bitcoin“ — zum Durchscrollen, ohne einen einzigen Absatz. Comic ansehen →

Neulich schrieb jemand unter eines meiner Videos einen Satz, der so vernünftig klingt, dass fast jeder zustimmen würde:

„Wenn Bitcoin wirklich ein besseres Geld wäre, dann hätte man es doch gerecht an alle Menschen verteilen müssen. Jedem gleich viel.“

Klingt fair. Klingt nach Gerechtigkeit. Und ist trotzdem der Kern eines Denkfehlers, der tiefer sitzt als jeder andere in diesem ganzen Thema.

Die Hand, die verteilt

Denn schau dir an, was in diesem Satz versteckt steckt: die Annahme, dass es jemanden geben muss, der verteilt. Eine Instanz, eine Zentrale, eine Hand von oben, die entscheidet, wer wie viel bekommt. Erst wenn du diese Hand voraussetzt, ergibt die Frage „warum nicht gerecht verteilt?“ überhaupt Sinn.

Und genau hier liegt der Haken — denn diese Denkweise ist uns so tief eingebrannt, dass wir sie für die einzig mögliche halten.

Spiel es einmal durch

Machen wir den Gedanken ernst. Nehmen wir an, jemand hätte es tatsächlich gerecht verteilt. 21 Millionen Bitcoin, aufgeteilt auf gut acht Milliarden Menschen. Macht rund 0,0026 Bitcoin pro Kopf, etwa 260.000 Satoshi. Klingt nach einer sauberen Rechnung.

Dann fangen die Fragen an. An wen genau? An alle Menschen — schön, aber wer steht auf dieser Liste? Wer keine Papiere hat, ist nicht drauf. Wer in einem Land lebt, das nicht mitmacht, ist nicht drauf. Und die Kinder, die morgen geboren werden, bekommen die noch was, oder war der Stichtag gestern? Wer prüft, dass sich nicht jemand fünfmal anmeldet? Und wer verwahrt die 21 Millionen eigentlich so lange, bis jeder Einzelne sein Päckchen abgeholt hat?

Jede dieser Fragen braucht eine Antwort. Und jede Antwort braucht jemanden, der sie gibt. Ein Register. Eine Prüfstelle. Eine Frist. Eine Verwahrung.

Merkst du, was da gerade entstanden ist? Genau die Instanz, die es bei Bitcoin nicht gibt. Die gerechte Verteilung erschafft das Oben, vor dem sie eigentlich schützen sollte. Und wer entscheiden darf, wer auf die Liste kommt, kann eben auch entscheiden, wer runterfliegt.

Warum uns das so selbstverständlich vorkommt

Kein Wunder, ehrlich gesagt. Unser gesamtes Geldleben funktioniert genau so. Geld wird von oben geschaffen und nach unten verteilt. Eine Zentralbank entscheidet, wie viel es gibt. Der Staat entscheidet, wohin es zuerst fließt. Banken entscheiden, wer einen Kredit bekommt und wer nicht.

Von der ersten Sekunde deines Lebens an lernst du: Geld ist etwas, das dir jemand gibt oder verwehrt. Immer gibt es eine Instanz dazwischen, immer eine Hand, die verteilt. Diese Vorstellung ist so selbstverständlich, dass wir gar nicht merken, dass es auch anders gehen könnte.

Es gibt keine Hand

Und genau da macht Bitcoin etwas radikal Neues. Es gibt keine Hand, die verteilt. Es gibt keine Zentrale, die zuteilt. Niemand hat je entschieden, wer wie viel bekommt, weil es schlicht niemanden gibt, der so etwas entscheiden könnte.

Bitcoin wurde nicht ausgegeben wie ein Gehalt oder eine Stütze. Es lag von Tag eins offen da, für jeden zugänglich, der bereit war hinzuschauen und mitzumachen. Kein Antrag, keine Erlaubnis, kein Chef, der nickt.

Das ist kein Detail, das ist der ganze Punkt.

„An alle verteilen“ ist nicht „für alle offen“

Deshalb ist „gerecht an alle verteilen“ gar nicht das Gegenteil von dem, was passiert ist — es ist einfach die falsche Kategorie.

„An alle verteilen“ heißt immer noch: Einer steht oben und teilt aus. „Für alle offen“ heißt: Es gibt kein Oben. Der Unterschied ist fein, aber gewaltig. Das eine ist Zuteilung durch eine Macht. Das andere ist Zugang ohne eine Macht.

Und wenn du einmal begriffen hast, dass Bitcoin das Zweite ist und nicht das Erste, dann zerfällt die ganze Frage nach der „gerechten Verteilung“ von selbst. Weil es niemanden gibt, dem man Ungerechtigkeit vorwerfen könnte.

// In Kürze Keine Zeit? Dasselbe in zwei Minuten: „Der große Bitcoin-Denkfehler (Teil 1): Warum wurde Bitcoin nicht an alle verteilt?“ Zur Kurzfassung →

// Teil 3 · in Arbeit

Wie dieses „von oben“ beim normalen Geld konkret funktioniert — und warum genau diese Reihenfolge dafür sorgt, dass du fast immer der Letzte in der Reihe bist.

// Freitagmorgen

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Der große Bitcoin-Denkfehler

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