// DER GROSSE BITCOIN-DENKFEHLER · TEIL 2

Niemand
verteilt Bitcoin

Unter einem meiner Videos stand neulich ein Satz, dem fast jeder zustimmen würde: „Wenn Bitcoin ein besseres Geld wäre, hätte man es doch gerecht an alle verteilen müssen.“ Klingt fair. Und ist trotzdem der Kern eines Denkfehlers.

Denn in diesem Satz steckt eine versteckte Annahme: dass es überhaupt jemanden geben muss, der verteilt. Eine Hand von oben, die entscheidet, wer wie viel bekommt. Erst wenn du diese Hand voraussetzt, ergibt die Frage „warum nicht gerecht verteilt?“ überhaupt Sinn.

Eine riesige Hand greift aus Gewitterwolken herab und lässt Geldscheine auf eine Pyramide aus Anzugträgern fallen, ganz unten steht Pete allein zwischen Hochhäusern mit den Schriftzügen „Bank“ und „Government“. Text: „Unser Geld kommt immer von oben.“ und „Eine Hand teilt aus. Du stehst unten.“

Kein Wunder, dass wir so denken. Unser gesamtes Geldleben funktioniert genau so. Eine Zentralbank entscheidet, wie viel es gibt. Der Staat, wohin es zuerst fließt. Banken, wer einen Kredit bekommt. Von der ersten Sekunde an lernst du: Geld ist etwas, das dir jemand gibt oder verwehrt. Immer steht eine Instanz dazwischen.

Die verteilende Hand ist orange durchgestrichen und zerbricht, ein Lichtstrahl bricht durch die Wolken. Eine bunt gemischte Menge — Kinder, Erwachsene, eine Person im Rollstuhl — greift frei nach orange leuchtenden Bitcoin-Münzen, mittendrin Pete mit erhobener Hand. Text: „Bitcoin hat keine Hand, die verteilt.“ und „Es gibt kein Oben.“

Und genau da macht Bitcoin etwas radikal Neues. Es gibt keine Hand, die verteilt. Keine Zentrale, die zuteilt. Niemand hat je entschieden, wer wie viel bekommt, weil es schlicht niemanden gibt, der das könnte. Bitcoin lag von Tag eins offen da, für jeden zugänglich, der bereit war hinzuschauen. Kein Antrag, keine Erlaubnis, kein Chef, der nickt.

Pete steht mit offenen Armen in einer geöffneten Tür, dahinter geht über der Stadt die Sonne auf. An den Wänden Graffiti: „Freedom“, „Decentralized“, „Open Source“, „For All“, „Trust nobody, verify everything“. Text: „Nicht ,an alle verteilt.‘“ und „Sondern für alle offen. Von Tag eins.“

Deshalb ist „gerecht an alle verteilen“ gar nicht das Gegenteil von dem, was passiert ist — es ist die falsche Kategorie. „An alle verteilt“ heißt: Einer steht oben und teilt aus. „Für alle offen“ heißt: Es gibt kein Oben. Der Unterschied ist fein, aber gewaltig. Das eine ist Zuteilung durch eine Macht. Das andere ist Zugang ohne eine Macht. Und wer das begreift, für den zerfällt die ganze Frage nach der „gerechten Verteilung“ von selbst — weil es niemanden gibt, dem man Ungerechtigkeit vorwerfen könnte.