// Betrug & Maschen

Bankkarte zerschneiden, Chip heil lassen: die neue Betrugsmasche

Betrüger bringen Opfer dazu, ihre Bankkarte zu zerschneiden und den Chip heil zu lassen. Wie die Masche abläuft und die eine Regel, die dich davor schützt.

Pete mit Bitcoin-Cap hebt abwehrend die Hand, links eine Kapuzengestalt am Telefon, in der Mitte eine zerschnittene Bankkarte mit unbeschädigtem Chip, rechts ein Bote mit Paket an einer Wohnungstür — Graffiti-Schriftzug „Zerschneiden Sie ihre Karte — Auflegen!“

Es gibt Betrugsmaschen, die sind so plump, dass man sich fragt, wer da überhaupt drauf reinfällt. Und dann gibt es welche, die sind richtig raffiniert. Diese hier gehört zur zweiten Sorte. Sie ist neu, das Schweizer Amt für Cybersicherheit hat gerade erst davor gewarnt, und sie funktioniert ausgerechnet deshalb so gut, weil sie einen Rat ausnutzt, den du wahrscheinlich für goldrichtig hältst. Zu Recht übrigens. Genau das ist das Perfide daran.

Fangen wir mit dem Rat an, den du kennst. Alte Bankkarte weg? Vorher zerschneiden. Das steht in jedem Sicherheitstipp, das sagen die Banken selbst, das machen vernünftige Leute. Damit niemand die Nummer abliest oder den Magnetstreifen ausliest. Alles korrekt. Und jetzt kommen die Betrüger und drehen dir genau diese vernünftige Gewohnheit zum Strick.

So läuft das ab. Es beginnt oft mit einer SMS. Angeblich von deiner Bank, irgendwas mit einem Kartenproblem oder einer verdächtigen Abbuchung. Du sollst dich melden. Tust du das, hast du plötzlich einen freundlichen, kompetent klingenden „Bankmitarbeiter“ am Telefon. Der erklärt dir, deine Karte sei kompromittiert, aus Sicherheitsgründen müsse sie vernichtet werden. Zerschneiden Sie die Karte bitte, aber lassen Sie den Chip unbeschädigt. So sagt er das. Klingt im ersten Moment sogar plausibel, oder? Karte kaputt, Gefahr gebannt. Kurz darauf klingelt es an der Tür. Ein Bote, angeblich von der Bank, holt die zerschnittenen Teile ab. Zack, weg.

Und was passiert dann mit deiner angeblich zerstörten Karte? Genau das, wovor du dich eigentlich schützen wolltest. Die Täter setzen den Chip wieder zusammen. Die Schnipsel zusammenkleben, sodass das gute Stück wieder in einen Automaten passt, das ist für die kein großes Ding. Der Chip ist ja heil, den hast du auf Bitte extra geschont. Jetzt fehlt ihnen nur noch eins: deine PIN. Wie die Täter im Schweizer Fall daran gekommen sind, weiß die Behörde selbst nicht — sie geht davon aus, dass die PIN im Telefongespräch erfragt oder unauffällig abgeschöpft wurde. Karte plus PIN. Mehr brauchen sie nicht. Dein Konto ist offen wie ein Scheunentor. In einem der gemeldeten Fälle waren es über 10.000 Franken.

Wenn du jetzt denkst, so blöd wäre ich nie, dann halt kurz inne. Genau dieses Gefühl ist der Grund, warum solche Maschen funktionieren. Die Täter setzen dich unter Druck, sie erzeugen Angst um dein Geld, sie klingen professionell, und sie geben dir eine Aufgabe, die sich vernünftig anfühlt. In dem Moment denkt kaum jemand kühl nach. Und die Hauptzielgruppe sind ältere Menschen, die einem Anruf von der „Bank“ noch mit dem gewohnten Vertrauen begegnen und bei denen die Hemmschwelle, einfach aufzulegen, höher ist. Deine Eltern. Deine Großeltern. Die trifft das.

Du musst dir nicht jede einzelne Masche merken. Es gibt eine Regel, die gegen fast alle davon gleichzeitig schützt. Sie lautet: Keine echte Bank ruft dich an und will deine Karte, deinen Chip oder deine PIN. Nie. Unter keinen Umständen. Eine Bank fordert dich niemals auf, deine Karte irgendwo hinzuschicken, sie einem Boten mitzugeben oder deine PIN am Telefon durchzugeben. Wenn genau das passiert, weißt du sofort und mit hundertprozentiger Sicherheit: Das ist ein Betrüger. Punkt. Kein Zweifel, kein „aber vielleicht doch“. Auflegen.

Und wenn du dann noch auf Nummer sicher gehen willst, ruf deine Bank zurück. Aber nicht unter der Nummer, die dir der Anrufer genannt oder als Rückruf angezeigt hat, die kann gefälscht sein. Nimm die Nummer, die hinten auf deiner echten Karte steht oder auf der offiziellen Website. Dann redest du garantiert mit den richtigen Leuten. Das kostet dich zwei Minuten und im Zweifel dein halbes Erspartes weniger. Sprich das einmal in Ruhe mit den Älteren in deiner Familie durch. So ein kurzes Gespräch heute kann ihnen irgendwann einen bösen Anruf ersparen.

// Freitagmorgen

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