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12 % Ausschüttung im Jahr — Abzocke oder genialer Deal?

Was hochausschüttende ETFs wirklich sind — die ehrliche Mechanik hinter Covered-Call-Fonds, ohne Werbe-Blabla.

Pete mit Bitcoin-Cap hält beide Handflächen abwägend nach oben, links ein orange leuchtendes Schild mit „12 %“, rechts ein Berggipfel mit Fahne — Graffiti-Schriftzug „12 % — zu schön um wahr zu sein?“

Zwölf Prozent Ausschüttung. Pro Jahr. Monatlich aufs Konto. Wenn dir das im Netz über den Weg läuft, schrillt zu Recht erstmal die Alarmglocke, denn du hast einen guten Grundsatz gelernt: Was zu schön klingt, um wahr zu sein, ist es meistens auch. Und trotzdem gibt es genau diese Produkte, sie heißen hochausschüttende ETFs oder Covered-Call-ETFs, sie sind völlig legal, und Namen wie NEOS oder YieldMax tauchen gerade überall auf. Also, was ist die Masche? Die überraschende Antwort: Es ist gar keine Masche. Es ist ein Tausch. Nur verschweigen dir die Werbe-Videos die eine Hälfte davon. Und genau die knöpfen wir uns jetzt vor.

Fangen wir da an, wo das Missverständnis beginnt. Die meisten hören „12 % Ausschüttung“ und denken automatisch „12 % Rendite“. Das ist der erste und größte Denkfehler. Ausschüttung ist nicht gleich Rendite. Ausschüttung ist nur das Geld, das dir der Fonds aufs Konto überweist. Was am Ende wirklich für dich rausspringt, ist die Ausschüttung plus oder minus das, was dein Anteil an Wert gewinnt oder verliert. Ein Fonds kann dir 12 % ausschütten und gleichzeitig 5 % an Kurswert verlieren, dann hast du unterm Strich 7 % gemacht, nicht 12. Merk dir diesen Satz, er ist der Schlüssel zu allem: Die fette Zahl auf dem Werbebild ist die Ausschüttung, nicht dein Gewinn.

Wie zaubert der Fonds die 12 % überhaupt her?

Jetzt zur eigentlichen Mechanik, und keine Sorge, wir machen das ohne Fachchinesisch. Ein normaler Gold- oder Bitcoin-ETF macht eine einzige Sache: Er hält Gold oder Bitcoin, und wenn der Preis steigt, steigt dein Anteil. Fertig. Das Problem für Einkommens-Jäger: So ein Ding zahlt dir nie etwas aufs Konto. Gold liegt im Tresor und macht: nichts. Kein monatlicher Cent.

Der Covered-Call-ETF macht einen cleveren Zusatzschritt. Er hält weiterhin das Asset, Gold, Bitcoin, einen Aktienindex. Aber zusätzlich verkauft er sogenannte Call-Optionen darauf. Stell dir das ganz simpel so vor: Der Fonds besitzt das Gold und vermietet gegen Gebühr das Recht, dieses Gold zu einem festgelegten Preis zu kaufen. Für dieses „Vermieten“ kassiert er sofort Geld, die sogenannte Prämie. Und diese Prämie, Monat für Monat eingesammelt, ist der Hauptteil deiner 12 % Ausschüttung. Das ist kein Trick und kein Schneeballsystem. Das Geld ist echt verdient. Bei manchen Produkten kommen noch Zinsen dazu, weil der Fonds sein Kapital nebenbei in sichere US-Staatsanleihen legt und dafür Zinsen kassiert. Auch echtes Geld.

Klingt bis hierhin nach einer Gelddruckmaschine ohne Haken. Und genau hier kommt die Hälfte, die dir die Werbung verschweigt.

Der Haken: Du verkaufst deine Rakete

Erinnerst du dich, dass der Fonds das Recht „vermietet“, das Gold zu einem festen Preis zu kaufen? Dieses Recht wird für den Mieter dann wertvoll, wenn der Goldpreis durch die Decke geht. Und dann passiert Folgendes: Schießt der Preis über die vereinbarte Grenze, kassiert nicht mehr der Fonds den Gewinn oberhalb dieser Grenze, sondern der Mieter der Option. Auf Deutsch: Bei einer richtig fetten Aufwärtsbewegung ist für dich als Fonds-Anleger irgendwann Schluss. Deine Gewinne nach oben sind gedeckelt.

Das ist der Tausch, um den sich alles dreht, und ich sag ihn dir in einem Satz, den du dir einrahmen kannst: Du tauschst dein Aufwärtspotenzial gegen laufenden Cashflow. Nach unten bist du dabei fast voll mit im Risiko, die kassierte Prämie polstert den Fall nur ein kleines bisschen ab. Nach oben aber wird dir die Rakete weggenommen, sobald sie richtig zündet. Du kriegst die schönen, planbaren monatlichen Zahlungen. Dafür gibst du die Chance auf den ganz großen Sprung ab.

Und damit das keine leere Behauptung bleibt, hier die nackten Zahlen an einem echten Beispiel. Der Gold-Fonds von NEOS, IAUI genannt, warf seit seinem Start im Juni 2025 brav rund 12 % Ausschüttung im Jahr ab. Klingt super. Schaut man aber auf den Kurswert, legte der Fonds seit Auflage rund 35 % zu — simples, schnödes physisches Gold im selben Zeitraum rund 66 %, also fast doppelt so viel. Wer einfach nur Gold gehalten hätte, wäre in dieser starken Aufwärtsphase besser gefahren. Das ist kein Skandal, es ist exakt der Tausch, den wir gerade beschrieben haben, live und in Zahlen: Der Ausschütter hat die fette Rally nach oben nicht voll mitgenommen, weil er ja die Upside verkauft hat.

Der entscheidende Punkt, den fast alle unterschlagen: Es kommt auf die Marktphase an

Jetzt könnte man meinen: Also ist das Ding Mist, einfach Gold halten. Falsch. Genauso einseitig wie die 12-%-Jubel-Werbung. Denn ob dieser Tausch gut oder schlecht für dich ausgeht, hängt komplett davon ab, was der Markt gerade macht.

Läuft der Markt seitwärts oder nur leicht nach oben, also die meiste Zeit, dann ist der Deal richtig gut. Du kassierst fett Prämie, und die weggegebene Upside fehlt dir kaum, weil ja ohnehin keine große Rakete zündet. In so einer Phase kann der Ausschütter das simple Halten sogar schlagen. Kommt dagegen ein brutaler Bullrun, bei dem das Asset in kurzer Zeit explodiert, dann guckst du in die Röhre, weil dir genau dieser Ausbruch weggekappt wird. Und fällt der Markt hart, dann fällst du fast voll mit, der Ausschütter schützt dich davor kaum.

Daraus folgt die ehrliche Wahrheit, die auf kein Werbebild passt: Diese Produkte sind kein Wundermittel und kein Betrug. Sie sind ein Werkzeug für eine bestimmte Aufgabe, nämlich laufendes Einkommen zu erzeugen. Für jemanden, der monatlichen Cashflow will und dafür bewusst auf die Chance des ganz großen Sprungs verzichtet, können sie genau richtig sein. Für jemanden, der maximalen Vermögenszuwachs sucht und einen Bullrun voll mitnehmen will, sind sie das falsche Werkzeug.

Und ja, es kommt auch aufs einzelne Produkt an

Ein letzter Punkt, den du unbedingt wissen musst, bevor dich irgendein Werbe-Video einlullt: „Hochausschüttender ETF“ ist keine einheitliche Sorte. Die Dinger sind untereinander so verschieden wie ein Fahrrad und ein Motorrad, nur weil beide zwei Räder haben. Manche halten das Asset satt zu großen Teilen physisch oder echt und schreiben nur vorsichtig Optionen obendrauf. Andere halten fast nichts echtes, sondern bilden alles über Derivate nach, das ist konstruktionsbedingt riskanter. Manche schreiben ihre Optionen weit „aus dem Geld“, lassen dir also noch viel Luft nach oben. Andere holen das Maximum an Prämie raus und kappen dir dafür die Upside gnadenlos früh.

Und dann gibt es noch ein Stichwort, über das du stolpern wirst, wenn du ins Kleingedruckte schaust: „Return of Capital“, zu Deutsch Kapitalrückzahlung. Das klingt erst mal übel, so als würde dir der Fonds heimlich dein eigenes Geld zurückzahlen und es Ausschüttung nennen. Und bei manchen, meist besonders aggressiven Produkten ist es leider genau das, dann frisst die Ausschüttung tatsächlich die Substanz. Aber, und das ist wichtig, es ist nicht immer so. Oft ist „Return of Capital“ nur ein steuerlicher Etikettentrick, während das Geld in Wahrheit sauber aus Prämien und Zinsen verdient wurde. Ob das eine oder das andere zutrifft, steht in den offiziellen Fonds-Unterlagen, nicht im Werbe-Reel. Wer sein Geld in so ein Produkt steckt, ohne einmal ins Factsheet und in die Ausschüttungs-Zusammensetzung geschaut zu haben, fährt blind.

Was du dir merken solltest

Machen wir den Sack zu, ganz ohne dir zu sagen, was du kaufen sollst, denn das ist ausdrücklich nicht unser Job und wäre auch keine Beratung, die wir geben. Es geht ums Verstehen. Hochausschüttende ETFs sind weder die Gelddruckmaschine der Werbung noch die dreiste Abzocke der Empörungs-Videos. Sie sind ein Tausch: planbarer, laufender Cashflow gegen gedeckelte Gewinnchance nach oben, bei fast vollem Risiko nach unten. Wie gut dieser Tausch für jemanden aufgeht, hängt an zwei Dingen, der Marktphase und dem konkreten Produkt. Wenn dir das nächste Mal jemand mit „12 % monatlich, quasi risikolos“ ins Ohr säuselt, weißt du jetzt genug, um die eine entscheidende Frage zu stellen: Schön, und was genau gebe ich dafür im Gegenzug her? Denn umsonst gibt es an der Börse nichts. Nie.

// Teil 2 · in Arbeit

Wie manche Anleger aus diesem Tausch mit der Wheel-Strategie eine laufende Cashflow-Maschine bauen — auf Assets, die sie ohnehin halten wollen.

// Freitagmorgen

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// Ratgeber

Die Wahrheit über hochausschüttende ETFs

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