// DER GROSSE BITCOIN-DENKFEHLER · TEIL 1

Zu spät
gibt es nicht

Es gibt eine Frage, die unter fast jedem meiner Videos auftaucht. Sie klingt vernünftig — und trotzdem stimmt mit ihr etwas nicht.

Sie fühlt sich an wie gesunder Menschenverstand. Nach Zurückhaltung, nach jemandem, der sich nicht überrumpeln lässt. Aber die Frage ist kaputt — nicht weil die Antwort „nein“ wäre, sondern weil sie selbst nicht funktioniert.

Pete mit verschränkten Armen, dahinter ein Bewerbungsgespräch, ein zerbrochenes Herz und ein Kalender mit dem Eintrag „Deadline Prüfung“. Text: „Sie fühlt sich vernünftig an. Nach gesundem Menschenverstand. Und trotzdem ist sie kaputt.“

„Zu spät“ passt auf ein Bewerbungsgespräch. Auf eine Beziehung. Auf eine Anmeldefrist. Auf Dinge mit einem festen Ende, an dem der Zug abfährt. Auf einen Markt passt es nicht.

Pete steht auf einem Bahnsteig und sieht einem Zug zu, der auf einem Kreisgleis fährt statt abzufahren. Text: „Ein Markt hat keine Abfahrtszeit. Keinen letzten Waggon. Der Zug fährt nicht ab. Er fährt im Kreis.“

Ein Markt hat keine Abfahrtszeit und keinen letzten Waggon. Er hat nur einen Preis, der sich in jedem Moment neu bildet. Der Zug fährt nicht ab — er fährt im Kreis, und du kannst an jeder Station ein- und aussteigen, so oft du willst. Was du also eigentlich fragst, ist nicht „bin ich zu spät?“, sondern „steigt der Preis von hier aus noch?“. Und das weiß niemand.

Pete steht vor einem gesprungenen Spiegel, im Spiegelbild leuchten orangefarbene Fragezeichen. Text: „Die Fragen, die zählen, sind nach innen gerichtet. Wie viel kannst du einsetzen, ohne dass dein Leben davon abhängt?“

Die Frage nach „zu spät“ schützt dich vor einer unbequemeren. Denn die Fragen, die wirklich zählen, sind alle nach innen gerichtet: Wie viel Geld kann ich einsetzen, ohne dass es mein Leben verändert, wenn es weg ist? Wie reagiere ich, wenn sich das halbiert? Über welchen Zeitraum rede ich? Und verstehe ich überhaupt, was ich da vor mir habe? Keine davon hat mit dem heutigen Kurs zu tun.

Pete sitzt bei Sonnenuntergang am Bahnsteig, der Zug zieht seine Kreisbahn über der Stadt. Text: „,Zu spät‘ setzt ein Ende voraus, das es nicht gibt. Der Zug fährt im Kreis. Steig ein, wann du willst — oder gar nicht. Beides ist okay.“

„Zu spät“ setzt ein Ende voraus, das es nicht gibt. Ersetz die Frage durch eine einzige: Was von meinem Geld kann ich hier einsetzen, ohne dass mein Leben davon abhängt — und über welchen Zeitraum? Ist die Antwort null, ist auch das eine Antwort. Ist sie nicht null, hast du eine Zahl, mit der du arbeiten kannst — und der heutige Kurs verliert seinen Schrecken.